Muhammad Ali? Kopfnicken, ja, diesen Namen hatten die vier syrischen Flüchtlinge schon mal gehört. „Das ist doch der Boxer“! Und was ist mit Jürgen Blin? Allgemeines Kopfschütteln. Doch nach einer guten Trainingsstunde in der Sporthalle Peterstraße am Holstenwall verstand das Quartett auch, warum dieser ältere Herr im Kampf mit Muhammad Ali damals im Dezember 1971 in Zürich eine so gute Figur gemacht hatte. Obwohl in der 7. Runde Schluss war…
Was war da los in der Sporthalle am Holstenwall in Hamburg? Hier die Erklärung: Der BC Sportmann, mit 101 Jahren der älteste Boxverein Deutschlands, hatte Flüchtlinge, Asylanten zum Boxtraining eingeladen. Vier Syrer – Mouamen, Abdel-Rahman, Ibrahim und Bilal – nahmen die Einladung an, kamen voller Neugierde zum Training. Ruck-zuck rein in die Sportklamotten, die Sportmann-Präsident Hans John spendiert hatte, und schon ging’s rund. Sportmann -Trainer Engin Citak nahm seine Hamburger Jungs ran, Jürgen Blin „kümmerte“ sich um die Flüchtlinge. Und da ging’s richtig zur Sache. Blin immer unter Volldampf – und die Flüchtlinge mussten mitmachen. Volle Power! Offensichtlich machte es ihnen Spaß.
Tatsächlich ist Ex-Europameister Blin (Schwergewicht (1972) immer noch topfit. Kein Wunder, denn jeden Tag treibt der 72-Jährige Sport, meistens ausgedehnte Läufe am Boberg. Und er ist auch noch als Trainer tätig. Bei BOX-OUT im Heidenkampsweg trainiert er dreimal pro Woche den Nachwuchs. „Das macht mir immer noch riesig Freude“, so Blin, „und wenn ich jetzt wieder erlebe, wie die Jungs aus Syrien da mitmachen, dann kann ich doch noch nicht aufhören, da muss ich einfach weitermachen“.
Ob die Flüchtlinge beim BC Sportmann weitermachen, muss abgewartet werden. BC-Boss Hans John: „Es ist ein Versuch. Weltmeister werden wir aus ihnen sicher nicht machen können, aber wir bieten den Jungs und auch andere n Interessenten die Möglichkeit, hier in Hamburg Freundschaften zu schließen, sich schneller in Deutschland zu integrieren. Unsere Tür steht ihnen immer offen. Und vielleicht ist ja wirklich das eine oder andere Talent dabei“.
Und noch einen Spitzentrainer konnte Hans John in der Sporthalle Peterstraße präsentieren. Ex-Weltmeister Artur Grigorjan kam zwar im schicken Anzug, trotzdem zog er Handschuhe an und machte mit den Neulingen Pratzenarbeit. „Die sind richtig gut drauf“, lobte das Leichtgewicht seine „Sparringspartner“, „und wenn sie dabeibleiben, auf Dauer ernsthaft trainieren, kann aus ihnen wirklich mal etwas werden“.
Jürgen Brähmers Vorbereitungen für seine WM-Titelverteidigung am 12. März laufen auf Hochtouren. Dem WBA-Champion im Halbschwergewicht wird an diesem Tag aber nicht Thomas Oosthuizen gegenüberstehen. Darauf verständigten sich kurzfristig dessen Promoter Rodney Berman und Kalle Sauerland.
„Tommys Trainer Harold Volbrecht hat mich darüber informiert, dass sein Schützling nicht annähernd in der Form ist, um Brähmer herauszufordern“, so Berman. Psychische Probleme Oosthuizens deuten laut dem 73-jährigen Südafrikaner auf das Karriereende von „Tommy Gun“ hin. Berman: „Er ist einfach der ‚Bad Boy‘ des südafrikanischen Boxsports. Harold und ich haben immer wieder versucht, ihn auf den rechten Pfad zu bringen und ihm zu helfen – doch er hat uns erneut enttäuscht. Wir sind fertig mit ihm und er höchstwahrscheinlich auch mit dem Boxen.“
Mit Hochdruck wird aktuell daran gearbeitet, einen adäquaten Ersatzgegner für die WBA-Weltmeisterschaft mit Jürgen Brähmer im Jahnsportforum zu finden. Eine harte Aufgabe fünf Wochen vor dem geplanten Termin. Kalle Sauerland: „Es ist schwer, aber wir versuchen alles, um schnellstmöglich einen adäquaten Ersatzgegner zu finden. Alle haben einen WM-Kampf auf Augenhöhe verdient: Jürgen, der gefordert werden will, unser TV-Partner und vor allem die Fans, die uns quasi die Tickets in Neubrandenburg aus den Händen reißen.“
Der neue WM-Herausforderer von Jürgen Brähmer soll in den nächsten Tagen präsentiert werden.
Eintrittskarten für die Box-Nacht im Jahnsportforum sind weiterhin im Internet bei http://www.tickethall.de und http://www.eventim.de sowie beim Veranstaltungszentrum Neubrandenburg erhältlich.
München – „Wir wollen Schritt für Schritt zu einem WM-Kampf gehen, vielleicht 2017.“ Nach seinem ersten Titel im Profiboxen (deutscher Meister) plant Howik „der Löwe“ Bebraham (25) die nächste Stufe auf der Erfolgsleiter. Allerdings mit einer ganz „linken Tour“: Der frühere erfolgreiche Amateurboxer der Münchner Löwen (weit über 150 Siege in der Bundesliga, bei Meisterschaften und internationalen Turnieren) schlägt mit seiner linken Führhand so viele Jabs wie sonst kaum einer, nicht einmal in den ganz leichten (Fliegen)-Gewichtsklassen. „Wir haben im Sparring schon mal deutlich über 200 Jabs in einer Runden gezählt,“ berichtet sein Profitrainer und Manager Alexander Petkovic, selbst mal Weltmeister, allerdings bei den ganz schweren Jungs.
Petkos Credo, dass die Kämpfe zwar häufig mit dem letzten Treffer, der Schlaghand, endgültig entschieden werden, doch die Führhand den Kampf vorentscheiden, fällt bei Howik auf, mehr als fruchtbaren Boxen. Schon bei den Amateuren glänzte er mit dieser Waffe, die er nun von Profi-Training zu Profi-Training perfektioniert. „Ich habe meine beiden ersten Kämpfe im Profiring vor allem deshalb so überzeugend gewonnen, weil meine Jabs den Kampf dominierten.“ Für Alexander Petkovic freilich hat Howik eine besondere Begabung. „Er schlägt die Jabs nicht nur der Jabs willen, er trifft auch noch. Und das zermürbt jeden Gegner.“ Bei seinem Sieg zum deutschen Meistertitel gegen den erfahrenen Ahmet Cicek (Pfungstadt) hat er in einer Szene der ersten Runde siebenmal hintereinander den Jab innerhalb weniger Sekunden geschlagen – und siebenmal getroffen, wie die TV-Bilder deutlich zeigen.
Dies beeindruckt nicht nur die Punktrichter, sondern auch die Gegner. Und Manager Alexander Petkovic. „Howik wird in kürzester Zeit ganz oben ankommen,“ ist sich Petko sicher. Der nächste Schritt auf diesem Weg soll schon im April erfolgen, bei der nächsten Box-Gala, bei der Howik „der Löwe“ Bebraham erstmals Hauptkämpfer sein wird. Auf seine ganz „linke Tour“…
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Jürgen Brähmer (47-2, 35 K.o.´s) trifft am 12. März im Neubrandenburger Jahnsportforum auf Thomas Oosthuizen (25-0-2, 14 K.o.´s). Eigentlich sollte das Duell der Rechtsausleger um die Halbschwergewichts-WM nach Version der WBA bereits letzten November ausgetragen werden. Damals erlitt Brähmer kurz vor dem geplanten Aufeinandertreffen mit dem ungeschlagenen Südafrikaner eine Handverletzung. Jetzt ist beim Titelverteidiger aber wieder alles verheilt und der Kampf gegen Oosthuizen kann kommen!
„Neubrandenburg hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen, denn hier bin ich Ende 2013 erneut Weltmeister geworden“, so Brähmer und ergänzt: „Daher freue ich mich sehr, meinen WM-Titel am 12. März dort erfolgreich verteidigen zu dürfen.“
Der Mann in der gegnerischen Ecke will dies unbedingt verhindern. Thomas Oosthuizen ist das „Enfant terrible“ des südafrikanischen Boxsports. Gesegnet mit einer hervorragenden Technik und einer Armspannweite von fast zwei Metern, hat es der 1,93 Meter große Schützling von Harold Volbrecht in der Vergangenheit schon einmal gern privat krachen lassen – ohne Rücksicht auf seine Karriere! „Das liegt jetzt alles hinter mir. Ich konzentriere mich nur noch auf den Sport. Brähmer wird meine Schläge nicht kommen sehen, genauso wenig wie den WM-Gürtel nach dem Kampf“, kündigt der 27-jährige Herausforderer , der aufgrund seiner Schnelligkeit den Kampfnamen „Tommy Gun“ trägt, an.
Dem zehn Jahre älteren Champion ringen solche Worte nicht mehr als ein müdes Lächeln ab. Brähmer: „Ich habe schon gute Erfahrung gegen solche ‚Riesen‘ wie Oosthuizen gemacht. Enzo Maccarinelli war genauso groß und er hat vorzeitig gegen mich verloren. Ob nun durch K.o. oder über die Punkte – der Südafrikaner wird höchstens mit einem Anzuggürtel den Heimweg wieder antreten!“
„Das wird in jedem Fall ein technisch hochklassiger Fight“, ist Kalle Sauerland überzeugt, „Jürgen Brähmer wird gegen einen Boxer mit dem Prädikat ‚Weltklasse‘ zeigen, dass er zum Besten gehört, was das Halbschwergewicht zu bieten hat!“ Der Promoter erwartet bei Brähmers nächstem Heimspiel in Mecklenburg-Vorpommern zudem ein ausverkauftes Haus. Sauerland: „Die Leute dort sind echte Boxfanatiker. Und besonders wenn Jürgen hier boxt, stehen sie wie eine Wand hinter ihm – das wird am 12. März nicht anders sein.“
Eintrittskarten für die Box-Nacht im Jahnsportforum Neubrandenburg werden ab heute Nachmittag im Internet bei http://www.tickethall.de und eventim.de erhältlich sein.