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Elvis Hetemi, seine Geschichte und seine Zukunft


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Profiboxer Elvis Hetemi ist keine Tröte, sondern ein Saxophon

Elvis Hetemi und sein Trainer Walter Broll waren bei den Amateuren ein erfolgreiches Team. Weil der Deutsche Boxverband dem Halbschwergewichtler aus NRW keine Beachtung schenkte wurde er Profi im Wiking-Boxteam. In einer Rekordzeit von nur elf Monaten gewann Hetemi bei den Profis die internationale deutsche Meisterschaft. Dann brach er sich die Hand. Mittlerweile ist die Verletzung ausgeheilt und nun will er so schnell wie möglich gegen die antreten, die an der Spitze stehen. Wiking-Chef Spiering bereitet einen Angriffsplan vor.

„Als Elvis zu uns kam, da musste ich eine neue Seite in seinen Kampfpass einkleben. Die Seite für Vereine war voll, so viele Clubs hatte er hinter sich“, lacht Walter Broll, der Hetemi zu einem der TOP drei Halbschwergewichtler in Deutschland formte.
Hetemi flaxt: „Es ist selten die erste Beziehung, die man heiratet.“

Das Eis war gebrochen und die Geschichte, die der 26-Jährige und sein Amateur-Trainer erzählten, war spannend.

Elvis Hetemi wurde 1991 in Vushtrri (Kosovo) geboren. 1993 musste sein Vater das Land verlassen. Seine politischen Ansichten passten nicht ins Establishment. Um seine Familie zu schützen, floh er mit ihr nach Deutschland.
Die Hetemis, das sind Vater Shefki, Mutter Suada sowie Elvis und seine älteren Brüder Arben und Valon. Seit 1996 gehört auch seine Schwester Arbina dazu. Sie wurde in ihrer neuen Heimat im westfälischen Lünen geboren.
Hetemi ist Realist und weiß, dass ein Sportunfall seine Karriere als Berufsboxer jederzeit zerstören könnte. Deshalb begann er in Hamm ein Studium für technisches Management und Marketing. Dort lernte er Regina kennen. Seit vier Jahren sind die beiden ein Paar.

Arben und Valon waren es, die ihn beim Dortmunder Boxring Nette (DBR) einführten. Er ging eigentlich nur mit, um seinen Brüdern einen Gefallen zu tun. Innerlich hatte er mit dem Faustkampf abgeschlossen, denn er war mittlerweile 19 Jahre alt und fühlte sich beim Boxen nicht mehr wohl.

Broll erinnert sich: „Natürlich kannte ich Elvis, Westfalen ist ja nicht Amerika. Er hatte alles mitgebracht, was einen guten Boxer ausmacht. Meine Aufgabe war es diese Puzzleteile auseinanderzunehmen, ein wenig zu polieren und wieder zusammenzusetzen. Eins ist mir sehr wichtig auszusprechen! Elvis ist keine Erfindung von mir. Ich habe nur auf der Arbeit seiner anderen Trainer aufgesetzt und ihn weiterentwickelt. Das hat gut funktioniert, denn er hat gelernt und bewiesen, dass er keine Tröte ist, aus der man nur einen weiteren Ton bekommt. Er hat bewiesen, dass er ein Saxophon ist und herrlich spielen kann.“

Hetemi beschreibt es aus seiner Perspektive: „Walter hat sich mit mir zusammengesetzt und mir die Augen geöffnet. Er erklärte mir, wie Boxen funktioniert. Danach wollte ich wissen, ob ich es kann.“

Er konnte: Von 2011 bis 2014 wurde er Nordrhein-Westfalen Meister.

In der Bundesliga kämpfte Brolls Schüler für Hamm und Hannover-Seelze.

2014 belegte er auf den deutschen Meisterschaften den dritten Platz. Im Halbfinale unterlag er Serge Michel.
„Damals ist unsere Taktik nicht aufgegangen“, so Broll, „wir wollten Michel auskontern. Ich dachte alles lief nach Plan, denn ich hatte uns nach der ersten Runde vorn. Das Kampfgericht sah es anders. Um die Chance auf den Sieg zu wahren, mussten wir die Strategie ändern und mit offenem Visier boxen. Das spielte Serge Michel in die Karten.“

Zweimal boxte Hetemi für die Nationalmannschaft. „Im Nachherein war es ein Fehler, dass ich mir das Nationaltrikot überzog. Es war die berühmte Karotte, die mir der DBV hinhielt. Vom Glauben auf ein gutes Ende habe ich zugebissen.“

Er zog einen Schlussstrich unter seine Amateurkarriere und verfolgte seinen Plan Profiboxer zu werden. Nach einer Vorstellung in Magdeburg wollte er in dem neuen Boxstall anheuern, den der Sportmanager Thomas Kappen gemeinsam mit einigen Partnern plante. Henry Maske testete bereits neue Talente und Otto Ramin sollte das Training übernehmen. Doch die Gründung des Boxstalls zerschlug sich.

Nicht viel später stellte Artur Mann einen Kontakt zu Wiking-Boss Winfried Spiering her. Hetemi und Mann kannten sich von einem gemeinsamen Länderkampf und aus der Box-Bundesliga.

Im KW-Eventcenter in Königs Wusterhausen arrangierte Spiering einen Tryout-Fight, den der Westfale mit Bravour bestand. Er bekam seine Chance bei den Wikingern und einen Handschlagvertrag.

Nur elf Monate später, am 28. Oktober 2016,  gewann er die internationale Deutsche Meisterschaft. Er knockte Steve Kröckel in der Neunten aus. Für Hetemi war es der sechste Profi-Kampf. Wie bei den Fights zuvor, kletterte er als Abbruch-Sieger aus dem Ring.

Im Mai bestritt er sein letztes Gefecht. Bei einem Charity Event, den das Wiking-Boxteam zugunsten Eddi Gutknecht veranstaltete, bezwang er Alexander Runde.
Was er geheim hielt: Er trat mit einer gebrochenen Hand an. Rückblickend ist ihm klar, dass das nicht seine beste Idee war, „aber ich wollte unbedingt dabei sein und Eddy helfen. Wir sind Familie.“

Erst drei Monate später konnte er wieder ins Training einsteigen. Für ihn fühlte sich das Vierteljahr des verletzungsbedingten Pausierens wie ein Vakuum an. „Da war nur Leere, rein gar nichts ist passiert, was mich hätte weiterbringen können.“
Jetzt würde er am liebsten die verlorene Zeit im Sprint aufholen und die Kaliber boxen, die ganz oben stehen.
Genau zum richtigen Zeitpunkt kam eine Anfrage von Ahmet Öner.  Der Boxpromoter braucht einen harten Sparringspartner für seinen Supermittelgewichtler Avni Yildirim. Der wird am 7. Oktober seinen ersten Kampf um die Ali Trophy gegen Chris Eubank Jr. bestreiten. Spiering klärt auf: „Ahmet Öner ist smart. Wenn Avni bei der Zerreisprobe gegen Elvis hält, dann kann er definitiv  Eubank knacken.“

Wie es dann mit dem Halbschwergewichtler weitergehen wird, da hat der Promoter-Fuchs konkrete Vorstellungen. In seiner Aufstellung an potentiellen Gegnern steht SES-Boxer Adam Deines ganz oben.

Für Spiering ist klar: „Wenn Deines mit Deutscher Lizenz boxt, dann muss er auch in der Lage sein, den internationalen deutschen Meister Elvis Hetimi zu schlagen. Im Übrigen hatte Ulf Steinforth (Anm.: Chef des SES Boxteams) schon einmal Hetemi angefragt. Aber damals war uns die Vorbereitungszeit von 14 Tagen zu kurz. Ich hatte jedoch ausdrücklich betont, dass wir zukünftig jederzeit bereit stehen würden.

Alternativ haben wir uns ein internationales Ziel gesetzt und wollen uns in Position bringen, um den IBF-Intercontinental Champ im Halbschwergewicht Sven Formling herauszufordern.“

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